Logos wichtiger MOOC-Anbieter

Wie sich Menschen bilden, hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Wo früher das Bertelsmann Lexikon oder die Encyclopædia Britannica als erste Wahl dienten, um sich neue Begriffe zu erklären, reichen heute wenige Mausklicks oder Tipps auf dem Touchscreen um sich über Wikipedia nicht nur den Begriff erklären zu lassen, sondern darüber hinaus noch Quellen und weitere Informationen zu dem Thema/Begriff zu erhalten.

Wer sich zu einem bestimmten Gebiet fortbilden möchte und sich wirklich einarbeiten möchte, der geht einen Schritt weiter und meldet sich bei einem Online-Kurs (MOOC) an. Welche Möglichkeiten sich hierfür inzwischen bieten, werde ich nachfolgend beleuchten.

Was kann ich lernen?

Fast alles. Was an dieser Stelle übertrieben klingt, relativiert sich bei einem Blick in die Angebotsliste der Plattformen. Kunst, Chemie, Architektur, Informatik, Ethik, Design … die Palette der Kurse ist beinahe grenzenlos. Das macht das Lernen über einen Online-Kurs vor allem für diejenigen attraktiv, die auch mal gerne in ein Thema hineinschnuppern, bevor sie es weiter vertiefen. Einige Themen, wie beispielsweise Programmierkurse erlauben eine sehr gute Vertiefung der Inhalte. Bei anderen Themen hingegen wird man sich schwer tun über das „Einsteiger-Niveau“ hinauszukommen. So wird es kaum möglich sein, das Know-How eines Rechtsanwalts mit Hilfe von Online-Kursen zu übertreffen.

In den Bereichen Computerwissenschaften hingegen wird man sich mit guten Kursangeboten nicht nur theoretische Kenntnisse sondern auch praktische Fähigkeiten erarbeiten können. Ein Beispiel hierfür ist der Kurs CS50 der mit gefilmten Vorlesungen und einer eigenen Entwicklungsumgebung für die Studenten, die Fähigkeiten der Teilnehmer fördern und fordern.

MOOCs eignen sich aufgrund der vielfältigen Themen hervorragend um sich für seine berufliche Laufbahn fortzubilden oder aber auch um einfach nur in ein Thema hineinzuschnuppern.

Die Qualität der Unterrichtsmaterialien sind in der Regel sehr gut, da sie auf den Vorlesungsinhalten der anbietenden Hochschulen basieren. Da diese durch die Online-Kurse neue Studierende anziehen möchten, geben sie sich hier von Ihrer besten Seite. Durch zum Teil kostenpflichtige Teilnahmezertifikate erschließen sich die Hochschulen weitere Geldquellen. Da nicht auszuschließen ist, dass die Lehre, zumindest für einige Themengebiete, nur noch online stattfindet, werden diese Gelder sicher benötigt werden, um bspw. klassische Studiengebühren und -beiträge zu kompensieren.

Welche Anbieter gibt es?

Auch wenn die Zahl an Anbietern stetig zu steigen scheint, konzentriert sich die Masse der Angebote auf einige wenige Plattformen.  Die größten und bekanntesten Anbieter sind aktuell edx und coursera, beides amerikanische Anbieter mit Ursprung in Hochschulen. Hinter edx steht das MIT (Massachusetts Institute of Technology) und die Harvard University, die für Ihre herausragende Vorlesungen & Lehrinhalte bekannt sind und viele renommierte Wissenschaftler und auch Nobelpreisträger hervorgebracht haben. Bereits 2014 konnte man rund 800 Einträge im Kursangebot von edx finden. Coursera hingegen hat seinen Ursprung an der Standford University, einer nicht weniger bekannten und geachteten Universität.

Weitere bekannte Plattformen sind Iversity, Udacity,  und openHPI, einem MOOC-Angebot des Hasso-Plattner-Instituts.

Voraussetzungen zur Teilnahme

In der Regel gibt es keine Vorraussetzungen für die Teilnahme. Wer jedoch auf die volle Breite der Angebote zugreifen möchte, sollte zumindest fortgeschrittene Englischkenntnisse vorweisen können. Englisch als Sprache der Wissenschaft ist in diesem Bereich präsenter denn je. Wer einen Einsteiger-Kurs absolviert hat kann in der Regel sein Wissen in weiterführenden Seminaren vertiefen und sich so in neue Fachgebiete einarbeiten. Die Zahl deutschsprachiger Kurse hält sich in Grenzen, steigt jedoch stetig, da immer mehr deutsche Hochschulen aktiv Kursmaterialien erstellen. Wessen Englischkenntnisse nicht sehr ausgeprägt sind, der kann bei einigen Kursen auf Untertitel zurückgreifen. Diese sind von anderen Kursteilnehmern übersetzt worden und stehen optional zur Verfügung.

Selbstdisziplin unabdingbar

Noch mehr als an einer „Live-Vorlesung“ erfordern die MOOCs Selbstdisziplin. Der Vorteil, dass man jederzeit selbst bestimmen kann wann und wo man lernt, kann sich schnell in einen Nachteil verwandeln, wenn man nicht am Ball bleibt. Neben Kursen, die eine wöchentliche Abgabe von Tests einfordern gibt es auch sogenannte „self-paced“ Kurse, also Kurse bei denen Sie als Teilnehmer das Tempo selbst bestimmen. Wer gerne Aufgaben auf die lange Bank schiebt, wird sich schwer tun bei den Vorlesungen zu einem Abschluss zu kommen.

Der Wirtschaftswoche (Ausgabe 11/2014) zu Folge beendet maximal zehn Prozent der Teilnehmer von Online-Kurse diese auch erfolgreich. Die verbleibenden 90 Prozent scheitern an der notwendigen Selbstdisziplin oder wollten von Anfang an nur in die Kursinhalte hineinschnuppern oder sich einen groben Überblick über das Thema verschaffen.

Kosten

Die Web-Community liebt die Gratiskultur. Auch bei MOOCs kann man eine Vielzahl von Kursen kostenfrei belegen. Wer ein offizielles Zertifikat möchte, dass die Teilnahme belegt, muss hingegen zahlen. Ob einem das Zertifikat bares Geld wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Die Preise liegen in der Regel bei weniger als 100 Euro. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Ich kann das Zertifikat bei Bewerbungen beilegen und meinem Arbeitgeber gegenüber mein Engagement belegen.

Einige wenige Anbieter verlangen bereits für die Teilnahme an einem der Kurse ein Gebühr. Dies erschwert meiner Meinung nach das Ausprobieren von Kursen und/oder Themengebieten.

Fazit

MOOCs sind eine hervorragende Möglichkeit sich eigenständig fortzubilden. Hochwertige Studienunterlagen, die für das Lernen am Rechner angepasst wurden, sorgen für den notwendigen Lernfortschritt. Die Möglichkeit sich Ort und Zeit der Vorlesung selbst auszusuchen, sorgt für mehr Flexibilität der Lernwilligen. Ich bin mir sicher, dass MOOCs in Zukunft ein wichtige Säule der Erwachsenenbildung werden.