Das junge Unternehmen und Unternehmer fast immer knapp bei Kasse sind ist kein Geheimnis. Es entstehen jedoch in den USA und Europa neue Strukturen, die es Start-Ups ermöglichen an Kapital zu kommen. Schwarmfinanzierung lautet das Zauberwort. Bisher mussten junge Unternehmen in der Regel das Geld für die Unternehmensgründung selbst mitbringen oder auf einige wenige vermögende Investoren hoffen. Banken hingegen geben selten Geld an Start-Ups, zo groß ist das Risiko eines Totalverlusts. In die entstehende Lücke preschen Unternehmen wie Seedmatch und Innovestment. Sie bringen die innovativen Ideen interessanter Start-Ups mit dem Kapital vieler Investoren (dem „Schwarm“ oder auch der „Crowd“) zusammen. Mussten Investoren früher mit sechsstelligen Beteiligungen aufwarten können Interessierte heute bereits für wenige hundert Euro bereits Anteil an interessanten Unternehmen, in der Regel als stille Beteiligung, kaufen.

Schwarm von Fischen im Meer

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Crowdfunding oder Crowdinvesting oder Crwodfinancing?

Weit verbreitet ist inzwischen der Begriff des Crowdfunding.  In der Praxis jedoch bieten Crowdfunding-Plattformen, wie beispielsweise Startnext, meiner Meinung nach etwas ganz anderes als Seedmatch & Co. Auf Crowdfunding-Websites können die Nutzer zwar ebenfalls Geld zur Verfügung stellen, sind aber dadurch nicht an einem Unternehmen beteiligt und patizipieren nicht am Erfolg eines Start-Ups. Vielmehr werden hier soziale oder künstlerische Projekte unterstützt. Die Spender, vielmehr sind sie eigentlich gar nicht, erhalten dafür öfters exklusive Einblicke in das Projekt oder ein kleines Geschenk (T-Shirt, CD, etc.) welches mit dem Projekt in Verbindung steht.

Wer sein Geld jedoch über Seedmatch einem Start-Up zur Verfügung stellt ist an dem Unternehmen in Form einer stillen Beteiligung beteiligt. Macht das Unternehmen also Gewinn und/oder steigt der Wert des Unternehmens so profitiert auch der Anleger direkt von der Entwicklung. Bei Verlusten hingegen ist im schlimmsten Fall die Einlage weg, eine Nachschusspflicht besteht hingegen nicht. Der Vorteil für das Start-Up liegt auf der Hand: Wer direkt an einem Unternehmen beteiligt ist, der engagiert sich für dieses Unternehmen. Er empfiehlt das Produkt weiter, gibt Tipps, hilft bei der Fehlersuche. Bei Seedmatch haben sich durchschnittlich je Projekt mehr als 100 Nutzer an einem Projekt beteiligt. Das sind mehr als 100 Fürsprecher, die die Idee in ihr persönliches Netzwerk tragen und das Start-Up weiterempfehlen.

Da die Motivation und das Ziel sich deutlich vom Funding, welches eher als Spenden zu verstehen ist, sich hier deutlich unterscheidet, ist der Begriff Crowdfinancing oder Crowdinvesting, je nach Sichtweise besser geeignet. So könnte man unter Crwodinvesting das Aufteilen einer großen Investition an eine Mehrzahl interessierter Personen verstehen, Crowdfinancing eher als die gezielte Kapitalbeschaffung aus Sicht des Unternehmens.

Chancen und Risiken für Investoren

Mit einem Engagement als Investor auf einer der genannten Plattformen unterstützt er junge Unternehmen und damit in der Regel Produkt- und Markt-Innovationen, die es ohne dieses Kapital nicht auf den Markt geschafft hätten. Investoren fördern damit die Investitionskultur ihres Landes und tragen zum Fortschritt bei. Der Investor hat die Chance sein getätigtes Investment zum Ende der Beteiligung um ein vielfaches vermehrt zurückzuerhalten. Das setzt jedoch voraus, das die Geschäftsidee vom Markt angenommen wurde und sich ein nachhaltiges Geschäftsmodell etabliert hat. Ist dies nicht der Fall besteht die Gefahr die gesamte Beteiligung zu verlieren. In der Regel besteht für „stille Gesellschaften“ keine Pflicht Geld über die Beteiligung hinaus einzuzahlen, wie es bei regulären Gesellschaftern der Fall sein kann. Aber gerade hier liegt auch die große Chance für Crowdinvesments! Durch die Beteiligung mit geringen Beträgen, wird auch der maximale Verlust auf den geringen Betrag reduziert. Der Investor hat so die Möglichkeit auch mit geringem Investitionsbudget bereits sein Kapital auf mehrere Beteiligungen zu verteilen und so sein Verlustrisiko zu minimieren.

Ein kleines Beispiel hierzu: Investiert ein Investor 10.000 € in ein Start-Up und dieses kann sich nicht am Markt halten, beträgt der Verlust im schlimmsten Fall 10.000 €. Investiert er hingegen 1.000 € in 10 verschiedene Projekte und zwei schaffen es nicht zu bestehen, so ist der Verlust mit 2.000 € wesentlich geringer.

Seedmatch & Co. ermöglichen es Investoren bereits mit geringen Beträgen ab ca. 250 € Beteiligungen an Unternehmen einzugehen, sodass auch weniger wohlhabende Investoren, oder auch Bekannte, Freunde und andere Personen aus dem persönlichen Netzwerken der Gründer, sich an Start-Ups beteiligen können, ohne dabei große Risiken einzugehen. Als „stiller Gesellschafter“ steht ihnen jedoch kein Mitspracherecht bei unternehmerischen Entscheidungen zu. Sie erhalten jedoch in der Regel eine Beteiligung am Gewinn des Unternehmens und die Chance, dass sich der Wert ihrer Beteiligung über die Jahre um ein Vielfaches steigert.

Bei allen Investitionen gilt das „Alles oder nichts“-Prinzip, das heißt, dass die Investitionssumme nur dann an das Unternehmen ausgezahlt wird, wenn ein zuvor festgelegter Betrag erreicht oder überschritten wird. Andernfalls behalten die interessierten Investoren ihr Geld. So wird vermieden, dass Investoren Beträge in ein Unternehmen einbringen, welches aufgrund fehlender finanzieller Mittel kurze Zeit später auf der Kippe steht.

Chancen und Risiken für Start-Ups

Neben der Finanzierung des eigenen Unternehmens können Start-Ups auch auf anderen Wegen von einer Schwarmfinanzierung profitieren. Zum einen erzeugt das öffentliche Angebot in der Regel Publicity, das heißt viele Nutzer informieren sich in kürzester Zeit über das Unternehmen, oder Blogs und Printmedien werden auf das Start-Up aufmerksam und berichten darüber. Zum anderen werden die Investoren ebenfalls zu Multiplikatoren, da sie ein finanzielles Interesse an „ihrem“ Unternehmen haben werden sie über die Produkte auch mit Bekannten reden, oder einen Eintrag in ihrem Blog oder auf einem der sozialen Netzwerke darüber schreiben. Die Herausforderung besteht darin mit dem plötzlichen Interesse am eigenen Geschäft souverän umzugehen und sich auch manch kritischer Frage zu stellen. Die Arbeit der Plattformen die Unternehmen und Crowd-Investoren zusammenbringen verlangen in der Regel eine Gebühr, die jedoch nur fällig wird, wenn ein zuvor definierter Mindesbetrag (bei Seedmatch beispielsweise die Fundingschwelle) erreicht wurde. Zudem kann es für Start-Ups interessanter sein sich einen Business Angel an Bord zu holen, da dieser neben finanziellen Mitteln häufig auch entsprechende Erfahrungswerte über den Aufbau und das Management von Unternehmen mit sich bringt, welches Unternehmensgründern häufig fehlt. Diesen Erfahrungsschatz werden Crowd-Investoren selten kompensieren können. Allerdings kann man die interessierten Investoren in die Entwicklung und Bewertung neuer Ideen und Konzepte einbinden und so im kleinen ihre Akzeptanz zu testen. Eine weitere mögliche Gefahr ist das Bekanntwerden unternehmensinterner Planungen und Kennzahlen. Bisher gewährte man nur einem kleinen Kreis interessierter Investoren und Banken den Einblick in das Geschäftkonzept und den Planungen des Start-Ups, durch den Beteiligungsprozess jedoch erhalten viele Personen die Unterlagen und damit einen Einblick in Vertrauliches. Da diese jedoch in den AGBs und dem Beteiligungsvertrag entsprechende Geheimhaltungsklauseln akzeptieren und sich damit auch haftbar machen, muss man nicht befürchten, dass kurze Zeit später alle Betriebsinterna in Foren, Blogs und anderen Medien zu finden sind.

Erfolgsgeschichten

Das das System funktioniert zeigen die jüngsten Erfolgsgeschichten von Sugarshape und easyCARD. Die beiden Unternehmen waren dieses Jahr auf der Suche nach Investorenkapital und nutzten dafür die Plattform Seedmatch. Sugarshape bietet Dessous für große Oberweiten und lässt die Kundinnen über Design und Materialen mitbestimmen. Zwar gibt es bereits unzählige Marken für Unterwäsche, die beiden Gründerinnen wollen jedoch mit besonders auf die Bedürfnisse ihrere Kundeninnen angepassten Produkten punkten. Die Investoren konnten sie bereits überzeugen: In 45 Minuten hatten Sie die Marke von 50.000 Euro überschritten, die nötig ist, damit die Finanzierung zu Stande kommt. Nach insgesamt vier Stunden hatten sie die bereits Höchstmarke von 100.000 Euro erreicht, bei der die Finanzierung automatisch endet. War diese Blitzfinanzierung bereits überragend, setzte easyCARD nur kurze Zeit noch einen Drauf. Das Unternehmen bietet einen revolutionären Weg an sich einfach und schnell gegen verschiedene Risiken zu versichern. Der Versicherungsnehmer benötigt lediglich eine easyCARD-Versicherungsnummer und beispielsweise die Seriennummer eines technischen Gerätes und schon ist dieses versichert, ohne lange Fragebögen und die Freigabe dutzender persönlicher Daten an den Versicherer. Welche Attraktivität das Angebot beisitzt zeigte sich auch in der Finanzierung. Nach 35 Minuten waren 50.000 Euro, nach nur 87 Minuten 100.000 Euro erreicht. Damit stellt das easyCARD-Angebot den aktuellen Rekord als schnellste Schwarmfinanzierung Deutschlands auf, der für längere Zeit schwierig zu knacken sein dürfte.

Fazit

Es tut sich was in der Gründerszene Deutschlands. Die ersten Erfolge zeigen, dass es möglich ist Unternehmen schnell über die Schwarmfinanzierung mit Kapital zu versorgen und damit Innovationen voranzutreiben. Auch die zunehmende Zahl an Plattformen zeigt, dass es aus Sicht der Betreiber offensichtlich noch Bedarf gibt. Mit DEVEXO startet am 24.04.2012 die mittlerweile vierte Plattform für Schwarmfinanzierung in Deutschland. Die Crowd eignet sich also nicht nur um Lexika zu erstellen (Wikipedia) oder Doktorarbeiten zu analysiern (siehe Fall zu Guttenberg) nein sie ermöglicht es jungen Unternehmen mit innovativen Konzepten auch Kapital zu erhalten und den Aufbau eines funktionierenden Geschäftskonzepts voranzutreiben.

Links zu deutschen Crowdinvestment-Plattformen:

Seedmatch

Innovestment

Mashup Finance

Devexo (ab 24.04.2012)